Verwunschene Farben im geheimen Garten des Fühlens

 

Sehen

 

Rotsilberne Koi

ziehen Kreise

Ewigkeit des Wassers

 

Rot-silbrigglänzende Koi ziehen langsam und bedächtig ihre Kreise unter der windgekräuselten Oberfläche des kleinen Teichs. Unbeeindruckt von der Welt oberhalb des Wasserspiegels, wo deine melangebraunen Augen sich gedanklich täglich mit dem sehenden Wind verwoben haben.

Seerosen bedecken das dunkelglänzende Wasser und bieten Schutz vor unruhigen Blicken des Gastes, laden aber das ruhende Auge ein zum Verweilen.

Das kalteblauklare Wasser des kleinen Bachlaufs plätschert über die in endloser Zeit glattgeschliffenen Kiesel. Vorwitzigfreche Wassertropfen tanzen Flamenco zu einer ewiggleichen Melodie, bis dass sie sich letztendlich in der Zeitlosigkeit des kleinen Teichs verlieren und zurückfinden zur Ewigkeit.

Seit langen Jahren ein unvergänglich gleicher Ablauf. Die Zirkulation der Unendlichkeit. Eindrücke, die mich gefangen nehmen, als ich meine Schritte – nun körperlich allein und im Geiste mit dir Verbunden – bedächtig durch das alte, rotlackierte Tor lenke.

 

Hören

 

Rascheln im Laub.

Sich windende Äste.

Gezwitscher der Herzen.

 

Die kräftigen Armen einer alten Kiefer brechen den drängenden Fluss des Windes. Durch Knarzen und Ächzen antwortet der Baum auf das Begehren des grauweißblauen Himmels.

Der Baum, mächtig in Struktur und Größe, wird zum Beschützer des Garten meines Vertrauens.

Dieser einzelner Baum mit knorriger, altgrauer Haut und graugrünen Nadeln fokussiert meine Blicke und will sagen: „Schau her! Ich bin der Wächter dieses Gartens. Ich behüte deine Gefühle, dein Zutrauen.“

Im Schutze der Kiefer wachsen junge Ahorngehölze heran, deren junges Laub sich ständig erneuernd in Rot, Gold und Grün leuchtet.

 

Rot brennt das Begehren.

In Grün vertraue ich deinem Verständnis.

Golden die Zukunft.

 

Riechen

 

Lasse einfach zu,

dass uns Riechen lenkt.

Im Rausch der Sinne!

 

Eine grob aus Stein gehauene Laterne steht inmitten scheinbar wildwachsenden, doch wohlarrangierten Rabatten auf dunkelbrauner Erde. Auch in den Stunden der Dunkelheit wird diese Laterne wieder die wärmenden Strahlen des Lichts über die zerbrechlichzarten Blütenkelche streifen lassen.

Lichtzeichen, die Fühlen zulassen; die erlauben, dass auch in Zeiten dunkelschwarzer Kälte ein Licht existiert, welches mich leitet und wärmt.

„Hana“ ist das Wort für Blume, welche auch Schönheit heißt. Eine Analogie für Blütenkelche, die abwechselnd im Jahreslauf ihre Blütenkelche für mich öffnen und meine Nase mit unendlichen Wohlgerüchen verwöhnen.

Hier schließe ich die Augen, um dich zu riechen, denn wo dein bunter Geruch ist, bist auch du mir nahe.

Die Nase entführt in ein Paradies der Sinne. Blassgelb-ätherischer Jasmin, magentastrahlende Azaleen, Chrysanthemen in unschuldsweiß bis kräftiggelb, der orangegelbe Lotus und wildrote Rosen formen ein Bouquet der Komplexität unserer verwobenen Gefühle.

 

Fühlen

 

Streifen deiner Haut

Flüchtigkeit der Berührung

Sanftweicher Halt

 

Sanft streichelt der warme Wind meine Wangen.

Gänsehautgefühle!

Nackte Füße gehen über samtweiche türkisgrün und magentaviolett schimmernde Mooskissen, welche abseits der steinernen Platten ein so weiches Geläuf meinen wunden Füßen bietet. Diese Sanftheit trägt meinen Schritt auf diesen ruhelosen Wanderungen zwischen ewigem Wasser, dauerndem Stein, oder dem flüchtigem Entlangstreifen eines herabfallenden Blattes an meinem Arme.

Steinerne Platten hingegen geben Halt, wenn ich ihn benötige. Dann lenke ich meine einsinkenden Schritte vom Moos  auf den ehernen Weg. Jede dieser Platten wurde in mühseliger Arbeit von dir verlegt, um meinen Füßen Halt zu geben, wenn ich ihn brauche. Allein das Wissen, Halt zu finden, beflügelt bereits die Schritte im Moos; lassen mich auf dem Fundament des Vertrauens fliegen.

 

Schmecken

 

Das Salz deiner Haut

auf meiner Zunge zerfließt

Nähe der Sinne

 

Die letzten Sonnenstrahlen des Tages winden sich vorbei an der grauglatten Haut eines Gingkos und spenden eine späte Wärme auf rosigbeiger Haut.

Beim Schmecken – wie auch beim Riechen – lässt man bewusst die Nähe zu. Der Geschmack deiner Haut umschmeichelt meine Zunge. Kristallinweißsalzig, rosigduftend, mandelsanft und Gingergelb erkennt meine Zunge deine Haut, wo immer du bist, ohne dich zu sehen.

 

Schmecken heißt: du bist da

RavenFox
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