Mobirise

Schwarze Gedanken:
Das Pendel

Jedes Jahr nur eine Geschichte

Karten und Weisungen

Sie kam sich sehr albern und veralbert vor, als sie seine Karte auf dem Esszimmertisch anstatt des versprochenen Abendessens fand. Es war nicht sonderlich spät. Es mochte etwa fünf Uhr gewesen sein. Noch alberner empfand sie aber den herrischen Tonfall, den sie nicht gewohnt war.
»Wie in einem schlechten Film«, dachte sie zunächst, wenn da nicht die handgeschriebenen Zeilen gewesen wären: „Ziehe dein weißes Sommerkleid an. Nichts darunter. Keinen BH, kein Höschen. Keine Strümpfe. Auch keinen Schmuck. Nur das Kleid und Schuhe sind dir gestattet.“
Kleid und Schuhe ließen darauf schließen, dass sie das Haus verlassen sollte. Bei diesem Gedanken wurde ihr schummerig und sie dachte an das entgangene Abendessen. Trotz der Anweisung zog sie als purem Trotz ein kleines Höschen an. Nicht viel. Etwas Stoff für das moralische Empfinden. Nie zuvor hatte sie das Haus ohne Unterwäsche verlassen. Nervös ging sie auf und ab und sie fühlte, als ob sie etwas Verbotenes getan hatte. Aber sie fühlte sich gut dabei.
»Und nun?«, fragte sie sich und nahm die Karte erneut in die Hand. Sie bemerkte unten auf der Karte klein das Kürzel „b.w.“. Ihre zarten Hände drehten zögernd die Karte um. Dort fand sie konkrete, weitere Informationen. Eine lange Zahlenkombination und die Aufforderung: „Gib diese Zahlenfolge als Ziel in dein Navigationsgerät ein. Und dann fahre unverzüglich los.“
»Verrückt«, dachte sie. »Einfach nur verrückt.«
Sekundenlang überlegte sie, die Karte einfach zu ignorieren, in den Papierkorb zu werfen und sich wieder etwas Bequemes anzuziehen.
»Dieser Blödsinn!«, zeterte sie: »Was denkt er, wer er ist, dass er mir Befehle erteilen kann!«
Aber die Neugierde überwiegte und dies hatte er vorausgesehen. Sie nahm den Autoschlüssel und ging langsam die Auffahrt herunter. Das weiße Kleid schwang locker um ihre Beine und sie spürte die Blicke der Nachbarn ihr folgen. Sie wusste, dass es ihre schlanken Beine als Schattenrisse betonte. Ob dem so war oder nicht, war egal. Diese prüden Nachbarn mussten einfach da sein. Geschützt durch ganze Armeen von Gartenzwergen und Schildern die zeigten: „Hier kein Hundeklo.“ Hinter ihren Fenstern mit Gardinchen verborgen würde die verbitterte Oma und Jungfer von Gegenüber sitzen.
Der Spanner, der ihr immer nachstellte dürfte sie auch schon längst entdeckt haben. Seitdem jener arbeitslos war, saß er ständig mit dem Fernglas auf dem Balkon. »Er beobachtet Vögel«, hatte er mal behauptet, obwohl sein Rohr ständig nur in ihre Richtung zeigte.
Und die Nachbarin aus dem Nachbarhaus, die sie immer verdächtigte ihrem Manne nachzustellen musste sich ebenfalls schon das Kleid auf seine Straßentauglichkeit geprüft haben.
»Ja. Der Saum endete unterhalb des Knies.«, km ihr in den Sinn. »Und wenn schon. Wen soll es jucken?«
Sie war froh, sich für das Höschen entschieden zu haben. So fühlte sie sich nicht nackt.
Ihr Wagen war an der Straße geparkt und sie musste viel zu viele Meter unter diesen gefühlten Blicken zurücklegen. Die Schritte wurden immer schleppender, je näher sie dem Wagen kam. Sie öffnete die Türe, setzte sich, programmierte das Navi, welches sie Trudi nannte, und folgte den Anweisungen.
Die Fahrt dauerte nicht lange. Trudi lotste sie zunächst durch die Stadt und dann hinaus in die Felder. Unter normalen Umständen würde sie die Fahrt genießen. Nun jedoch überwog die Anspannung.
»Sie haben ihr Ziel erreicht. Das Ziel befindet sich auf der linken Seite.«, meinte Trudis Blechstimme urplötzlich. Viel zu früh, nach ihrem Geschmack. Sie schaute sich um und bemerkte, dass sie auf einem Wanderparkplatz im Nirgendwo gelandet war. Als die zierliche Frau die Türe des Wagens öffnen wollte, hielt sie etwas unbewusst zurück. Sie wusste nicht, was sie hier tat. Und vor allem: Warum sie es tat?
»Das Höschen«, fiel ihr wieder ein. Sie fühlte sich schlecht bei dem Gedanken, den Anweisungen auf der Karte nicht nachgekommen zu sein. So griff sie nun beherzt unter ihr Kleid und zerrte das Stückchen Stoff hinunter und versteckte es verschämt in ihrer Handtasche.
Unschlüssig verließ sie das Auto und schaute sich um. Ein Vibrieren aus ihrer Handtasche ließ sie aufschrecken. »Das Handy!« Rein mechanisch – so wie immer – griff sie danach und las die Nachricht: „Im Kofferraum findest du eine kleine Box. Komme mit dieser Box an den Rand des Gartens.“
Sie tat wie ihr geheißen wurde und wunderte sich noch gerade, wie diese Box in den Kofferraum gekommen sein mochte. Diese entpuppte sich bei näherem Hinsehen als kleine Kiste in einer geschmackvollen, dezenten Geschenkverpackung in der Größe eines Schuhkartons. »Nein. Eher ein Karton für Stiefel«, schätzte sie die Größe als geübte Zalando-Bestellerin ab.

Tore & Gärten

Der Garten, zu dem sie gehen sollte schien eine alte Streuobstwiese zu sein. Der schwere und zugleich leichte Duft der blühenden Wiesenblumen und Kräuter zeigten an, dass es Sommer war und die Bäume bereits Früchte trugen. Bienen surrten emsig herum. Sie realisierte eine Hummel auf die Suche nach Nektar und ein Schmetterling schien auf der Fahndung nach einem Partner zu sein. So ziellos und Pheromon-gesteuert flog er hin und her.
Ein schweres, angerostetes, schmiedeeisernes Tor schien den Garten zu bewachen; gab aber bereitwillig den Zugang frei, als sie sich näherte. Sie musste noch nicht einmal die Klinke hinunterdrücken. Ihre Augen realisierten Reste eines grünen Lackes, der an vielen Stellen nicht mehr vorhanden war und rostiges Metall freigab. So alt dieses Tor auch scheinen mag, seine Scharniere waren erstaunlich leichtgängig und scheinbar frisch gefettet.
Wiederum vibrierte ihr Handy und ihre Gedanken verließen das Tor und wandten sich diesem Vibrieren zu: „Folge dem Weg bis zur Gartenbank, setze dich nieder und warte!“
Der besagte Weg kam ihr ewig lange vor und dabei war er doch so kurz. Die Bank war vom Wege aus nicht zu erkennen. So versteckt lag sie im Garten vor einem massiven Rankgitter, welches sich im großen Bogen hinter der Bank schwang. Sie setzte sich und wartete.
Hinter einem Baum wartend, beobachtete er ihr Erscheinen. Seine Blicke folgten ihr wohlwollend. Lächelnd registrierte er, dass sie seinen Wünschen nachgekommen war.
So nahm er sein Handy und tippte schnell und routiniert: „Öffne die Box, entnehme den roten Schal und verbinde Dir die Augen. Fest! Dann weiß ich, dass Du bereit bist, an diesem Abend Vertrauen zu fühlen.“
Sie las seine Worte, löste das blaue Geschenkband, zerriss das schwere weiß-blaue Geschenkpapier im Retro-Design, öffnete die Box, faltete das eingelegte Seidenpapier zur Seite und schreckte zurück. Neben dem erwarteten Schal befanden sich diverse Seile in der Box und einige Metallgegenstände, wie jene, die Kletterer beim Bergsteigen wohl nutzten. Sie konnte nicht anders: Ihre Finger glitten zunächst über die Seile. Es waren weiße Seile aus weicher Baumwolle. Sie fühlten sich gut an. Anschließend erst zog sie den Schal aus der Schachtel. Es war eine roh gewobene Seide in Blutrot und sie meinte, dass diesem Stoff ein sanfter Geruch seines Parfums entströmte. Das Rot bildete einen starken Kontrast zu ihrem weißen Kleid; harmonisierte allerdings andererseits mit der Farbe ihrer frisch lackierten Fingernägel.
Mit einer Klammer war dem Schal eine weitere Karte beigeheftet worden. Sie las einen längeren Text in seiner unverkennbar dynamischen Handschrift, die nicht immer einfach zu lesen war:
„Es wird ruhig sein, wenn Deine Sinne sich neu orientieren. Des Sehens beraubt, beginnen Deine Ohren Geräusche bewusster wahrzunehmen und Du wirst meine Nähe spüren, obwohl ich Dich kaum berühre. Vielleicht hörst Du mein Atmen und vernimmst den sanften Luftzug an Deinem Hals. So nahe werde ich Dir sein. Während uns die Ruhe langsam umschlingt, lernst Du zu riechen.“
Die Düfte von Harzen, Mädesüß und Meisterwurz kamen ihr in den Sinn. Daneben blühte der Lavendel und einige wilde Rosen. Sie begann, sich auf diese neuen Eindrücke zu konzentrieren, während das Summen der Insekten und das Zwitschern der Vögel eine gleichmäßige Geräuschkulisse bildeten.
Ihr Atem wurde langsamer und tiefer.
Fingerspitzen berühren sanft ihren Hals. Sie verweilten einige Sekunden. Dann endete der Kontakt und sie blieb für wenige, aber ewige Minuten allein. Sie blieb fragend zurück. obwohl sie nicht alleine war.
Sie versuchte, sich die Bilder des Gartens wieder vor Augen zu führen. Sie erinnerte sich an Pflaumenbäume, Äpfel und Birnen am Rande des Weges. Und die Bank stand unter einem massiven alten Pflanzgitterbogen, an dem nun die Rosen wild rankten.
»Fühlst Du das Sonnengelb?«, fragte er; erwartete aber keine Antwort. Seine Stimme ließ nicht zu, dass sie antwortete.
»Spürst Du das alte Holz der Bank?« Auch diese Frage sollte nicht beantwortet werden.
»Riechst du die Erhabenheit des Gartens?«
Seine Worte lenkten ihre Sinne und verwirrten sie immer mehr.
Sie konzentrierte sich erneut auf ihr Atmen, wie sie es beim Yoga gelernt hatte. Sie hörte die Luft durch die Nasenflügel strömen und wie sie die leichte Last der Gerüche mitbrachten.
»Merkst Du die Abendluft auf Deiner Haut?«
Ein flüchtiges Lächeln huschte über ihre Lippen, als sie seine Hände wieder auf ihren Schultern spürte.

Schweben

Er stand hinter ihr und schaute auf sie nieder. Er machte dies gerne. Er hat es schon immer getan, wenn sie sich gesehen haben. »Bald kenne ich jede Pore und jedes Fältchen in Deinem Gesicht. Ich sehe den Haaransatz und denke an Deinen Frisör. Manchmal sind es „böse“ Worte, mit denen er kokettierte: „Haaransatz“, „Färben“, „Falten“, „Poren“,… Aber so sind Menschen einfach. So individuell. So schön.
Er betrachtete ihre Hände und die zarten Handgelenke.
Er wollte ihre Augen betrachten und war kurz versucht, den Schal abzunehmen und ihren Kopf zu sich zu drehen. Aber er unterließ es. Er wollte ihre Gedanken lesen.
Beiden kam gleichzeitig die Frage nach „Vertrauen“ in den Sinn. Ihr Rücken versteifte sich dabei. Sie sollte es in dieser Situation haben und er forderte es ein. Insgeheim frage sie sich, ob er die gemeinsamen Grenzen respektierte. »Und wenn schon? Soll er doch…«
Dann lehnte sie sich wieder zurück und entspannte sich.
Obwohl sie sich selbst jederzeit die Augenbinde herunternehmen konnte, hielt sie irgendetwas vor diesem Schritt zurück.
Sie dachte intensiv darüber nach: »Habe ich noch die Kontrolle über mein Handeln? Nehme ich den Schal ab und gehe, oder bleibe ich dennoch?«
Sie konzentrierte sich wieder auf ihr Atmen. Sie kontrollierte den Rhythmus.
Ein tiefes Ausatmen.
Innehalten.
Gedanken sammeln. Ein kurzes, aber tiefes Einatmen. Ging noch mehr? Waren die Lungen gefüllt? Ging die Atmung tief genug?
Innehalten.
Und der Zyklus begann erneut.
Noch während sie sich auf ihr Atmen konzentrierte, nahm er ihre rechte Hand und schlang schnell und bestimmt eine Schlinge um das Gelenk. Mit einem kräftigen Ruck zog er diese fest. Sie wusste, dass es eines der weißen Seile sein musste. Sie kannte seit eben dieses Gefühl auf der Haut.
Sie erschrak und zitterte kurz.
Er zog sie kräftig und bestimmt zur Seite, wobei er um ihre Hüfte griff. Ein Griff, der definitiv keinen Widerspruch duldete. Nun stand sie mittig unter dem Pflanzgitter. Bevor sie reagieren konnte, zog er am Seil und fixierte irgendwie mit einer Hand das andere Ende am Gitterbogen, während die andere sie nicht los lies.
Er hatte dies gut vorbereitet und musste nur eine Schlaufe in einen dieser Bergsteiger-Haken einbringen.
Mit gleicher Geschwindigkeit und Dominanz ergriff er ihr linkes Handgelenk. schnell war auch diese Hand fixiert.
Mit ausgebreiteten Armen stand sie nun unter dem Gitterbogen. Kurz schaute er nochmals nach den Knoten, befand sein Werk für gut und genoss ihre Konturen unter dem dünnen Stoff, welche die Sonnenstrahlen nun noch deutlich nachzeichneten.
Dann trat er um sie herum und stand sehr nahe vor ihr. Sie roch ein schweres Parfum, welches sie bereits in Nuancen am Schal wahrgenommen hatte. Er musste nahe sein. Sehr nahe. Sein Atem streifte warm ihren Hals.
Hart und fordernd griff unvermittelt eine Hand nach ihren Brüsten; massierte sie fast schmerzhaft durch den Stoff und sie merkte schnell, dass die Zeit der Sanftmut vorbei war. Fast wollte sie ihm »Weiter!« entgegenrufen. Aber sie traute sich nicht, denn der Schmerz, den seine Hand auf der Brust verursachte, war noch zu präsent.
Noch schlimmer aber war der geistige Schmerz, als er seine Hand wieder von ihr nahm.
Er krallt seine Hand in ihren Nacken. Seine Finger bohrten sich in ihren Hals und er zwang ihr einen Kuss auf. Sie beantwortete die Forderung seine Zunge so zaghaft wie er andererseits forderte und wollte ihre Zunge wiederum in seinen Mund vorschieben. Aber auch diese Berührung war zu kurz und er zog sich wieder zurück und ließ sie mit offenen Lippen stehen.
Sie wand sich, aber weitere Seile schlangen sich um ihre Hüften und hielten sie zwischen den Gittern fest. Ständig umkreiste er sie wie seine Beute. Als er wieder nahe hinter ihr stand berührte er sie am ganzen Rücken. Er lies keine Luft zwischen beiden Körpern. Seine Hände griffen in den oberen Rand des Kleides und zerrten ungeduldig den Reißverschluss herunter. Sie erwartete, dass er das Kleid von ihren Schultern zerren würde. Aber wie sollte dies mit den ausgebreiteten Armen und den Fesseln gehen? Wie sollte es gehen, wenn andere Seile ihre Hüfte fixierten.
Er lies das Kleid einfach offen auf ihren Schultern hängen. Eine Demütigung. Unfertig gekleidet. Nicht ausgezogen. Nicht angezogen.
Er erlaubt sich, nochmals nach ihren Brüsten zu greifen. Diesmal allerdings von hinten und ohne Stoff zwischen seinen Fingern und ihrer Haut. Er krallte seine Nägel in ihr Fleisch und zog mit seinen Fingernägeln langsam schmerzhafte Streifen von oben nach unten über ihre Brüste. Als seine Finger ihre Warzenhöfe berührten, hielt er kurz inne.
Sie spürte diesen Halt und bereitete ihre Gedanken bereits auf einen weiteren Schmerz an ihren Warzen vor. Aber dieser blieb aus. Seine Hände zogen sich wieder zurück, wie sie gekommen waren.
»Nichts vollendet er«, dachte sie und war irritiert. »Fehlte ihm der Mut, oder lässt er mich absichtlich zappen?«
Letzteres war der Fall. Eigentlich konnte er sich nicht beherrschen. Aber er dehnte die Berührungen aus.

Crémant de Loire & Scampi 

Kurz ließ er sie alleine. Dann spürte sie etwas an ihren Lippen. Sie öffnete ihren Mund und nahm den Geschmack von gebratenem Fisch und Knoblauch wahr. Nun war sie vollkommen irritiert. Er fütterte sie mit gebratenen Scampi, wobei er lächelte, was sie aber wiederum nicht sehen konnte.
»Dein Abendessen«, flüsterte er: »Dazu ein Glas Crémont de Loire brut?«
Er wartete ihre Antwort nicht erst ab, sondern hielt ihr das Glas an die Lippen. Ungeschickt versuchte sie zu trinken. Es gelang mehr schlecht als recht. Ein dünnes Rinnsal der klebrigen Flüssigkeit lief über ihren Hals hinab in ihr offenstehendes Kleid. Seine Finger zeichneten die Spur der Flüssigkeit nach. Sie brannte, wo sie in Kontakt mit den frischen Striemen auf ihrer Brust kam.
Seine Lippen nahmen noch ein, zwei Tropfen von ihren Lippen auf.
Sie konnte sich nicht sehen und wollte sich nicht vorstellen, wie sie dort im Gitter gefangen stand. Offenes Kleid, Fett von den Scampi am Kinn, Knoblauch auf den Lippen, den Sekt am Hals. Dazu die Fesseln, der Schal über ihren Augen. Surreal und doch so wahr.
~ Fliegen & Pendeln ~
Ihre Vorstellung wurde jäh unterbrochen, als er ihre rechte Wade umfasste, ebenfalls eine Schlinge anlegte und ruckartig das Bein zur Seite ziehen wollte. Zunächst mochte es nicht gelingen, da ihr Gewicht auf diesem Bein ruhte. Sie wankte und er verstärkte seine Anstrengungen. Nur die Seile an den Händen und an der Hüfte verhinderten, dass sie das Gleichgewicht verlor und fiel. Sein kurzes, stoßartiges Atmen zeigte ihr an, dass er dagegen arbeiten musste.
Schließlich erreichte er sein Ziel und zog ihr Bein in Richtung des Gitters und verknotete auch dieses Seil.
Mit dem anderen Fuß gelang es ihm eher, denn unbewusst arbeitete sie nun mit.
Diesmal erwartete sie bereits seine Hände, als sie einen festen Griff zwischen ihren Beinen spürte und zugleich die andere Hand das Kleid anhob und den Saum in die Fesseln um die Hüfte steckte. Von der Hüfte an nackt stand sie nur vor ihm. Die Beine offen. Die rasierte Scham präsentierte sich ihm.
Aber er ergriff sie nicht. Stattdessen bemerkte sie, dass er sich irgendwie an den Seilen zu schaffen machte. Er arbeitet um sie herum, zog neue Schlaufen. Er setzte neue Knoten, spannte hier und dort Seile ab und lockerte letztendlich ihre Fuss- und Handfesseln. Sie wähnte sich für Sekundenbruchteile in einer Freiheit, die sie nun nicht wollte. Aber dieses Gefühl währte auch nicht lange.
Mit einem kräftigen Ruck wurde sie von den Füßen gerissen. Gleichzeitig senkten sich ihre Arme und ihr Kopf sank schnell rückwärts nach unten. Aber sie stürzte nicht zu Boden, denn die Seile fingen ihren Fall ab.
Sie schwebte in der Waagerechten. Nein! Sie flog, durch die Seile gehalten! Irgendwie, wie eine Marionette an Seilen gehalten.
Sie gewöhnte sich schnell an das Pendeln ihres Körpers. Sie schwang ein wenig hin und her und stellte feste, dass ihr Gewicht an den Hüftseilen gesichert hing. Würde sie allerdings ihre Arme anziehen, verlor sie die Balance. Also unterließ sie es.
Seine Hände griffen nach ihren Füßen und glitten zu den Knien aufwärts. Er drückte diese wieder nach außen, so dass sie ihre Scham wieder offen vor ihm lag. Sie fühlte insgeheim, dass er sie betrachtete. Er musste es einfach tun.
Und als sie dort baumelte und auf seinen harten Schwanz wartete; diesen sogar herbeisehnte, geschah erst einmal … nichts.
Dann grinste er, nahm ihr die Augenbinde ab, stuppste sie an, betrachtete sein Pendel und meinte: »Wie konnte nur Foucault mit einem schwingenden Pendel die Erdrotation beweisen.«
Und sie dachte nur: »Nie wieder einen Physiker als Freund. Nie wieder!«