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Treppenstufengeschichten:
Friedrich Wilhelm, Gott und ich

2010

„Gott, du bist ist tot.“ murmelte Friedrich vor sich hin. „So tot wie Schopenhauers Pessimismus.“
Damals saß ich in der Mitte und bekam den ganzen Müll mit. Damals in der Baseler Universitätskantine.
Gott war sichtlich aufgebracht und sie meinte: „Du Dumpfbacke! Wir brauchen doch den Übermenschen. So eine Merkel der Seins? - Oder eben mich! Woran sonst sollte die Menschheit glauben? Etwa an Lukas Podolski?“
Friedrich war nun seinerseits erzürnt: „Merkel? Nie!“
Seine Halsschlagader schwoll an. „Dann eher Karl Marx und Zarathustra als Podolski und Mondragon.“
Gott, in der Regel allwissend, aber augenblicklich nicht in der Regel, sondern wohl schon in der beginnenden Menopause, dachte nicht daran, nachzugeben. Wie Frauen eben so sind: „Zarah Leander…“
Friedrich konnte sich kaum auf seinem Stuhl halten und schlug mit der Faust auf den Tisch: „Nicht Leanders Zarah, sondern Thustra’s Zara!“
Gottes lackierten Fingernägel krampften sich in ihre Oberschenkel: „Dieser Schnösel hat keinen Respekt vor der deutschen Musik,“ dachte sie.
So langsam bekam ich Sodbrennen. Nächstens werde ich mir genauer aussuchen, mit wem ich mein Kantinen-Hostien teile. Friedrich der Philosoph dort, Gott auf der anderen Seite. Fast wie Szenen einer Ehe, nur ohne Trauschein.
Notiert auf den Treppenstufen der Baseler Universitätskantine.