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Treppenstufengeschichten

Freie Dialoge auf den Stufen zu den größten Tempeln der Literaur

Darth Maul

2012, oder so

Die Menschheit war schon längst Geschichte. Nur wusste sie es noch nicht. Einige, vielleicht die Besten, hatte man mitgenommen, als man den Planeten endgültig verließ. Andere blieben zurück, aber merkten es erst recht nicht. Darunter waren Helden, wie der Norris Chuck, die Angie aus Berlin, Hans Sarpei und der einzige, der die Zeichen der Zeit nur rechtzeitig erkannte, das Netz der Inder frei nutzte und mit des freien Herren Copypaste seine Texte generierte. „Copy & Paste besser als Cut & Paste ist“, dachte Darth Sidious. „Nicht besonders produktiv sie sind, die Menschen, nicht mehr.“
Schon seit Wochen belauschten seine Späher das Netz von Nadoo aus. Man belauschte den Transfer der Daten auf alten Drähten aus Kupfer und Fasern aus Glas.
„Keine Geschichten zu Weihnachten sie schreiben nicht“, stellte Darth Maul fest. „Weder Apple, noch Nuss, noch Kern der Mandel, sie lieben noch.“ Er hielt einige Sekunden inne. „Druck wir machen müssen viel. Auch wenn putzig sie sind. Spaß gemacht sie haben so viel.“
Darth Maul griff nach seinem blutend roten Umhang und klebte sich einen weißen Bart an. Die große Kapuze verdeckte die kleinen Hörner nur mit Mühe. Ein letztes Mal überblickte er die kompletten Protokolle dieses Club Joys. „Geschichten sie sollen schreiben jetzt“, wiederholte er. Dann erstarrte er. „IP-Adresse 012-345-678-890 sie hat und Luder sie ist, schandmauliges!“ Darth Maul erzürnte. „Sie sich erdreistet was! Fünf Zeilen sie schreibt. Aber zwanzig und vier Geschichten sie brauchen gesamt, der Rabe und der Fuchs, sie beide zusammen in einer Seele verbunden sie sind.“
Darth Maul war kein Mann der vielen Worte, sondern ein Sith der Tat und so rief er seinen menschlichen Sklaven Rudolf, der früher – als er noch Elan hatte und auf der Erde weilte – auf den Namen Schar-Ping hörte. Auf seinen Rat hin packte der Sith eine knorrige Rute, die rostige Kette und den Sack aus Jute in seinen Schlitten. „Bei Menschen wirkt das besser als Schwerter mit Laser“, meinte Rudi zu ihm.
Rudolf der rot(z)nasige Rentner lenkte den Schlitten mit Ach und Krach von Tür zu Tür, vom Stand des glühenden Weines zum Stand ebenderselben Flüssigkeit gleicher Temperatur und Coleur. Gerade einmal dreifache Geschwindigkeit des Mopses war möglich. Rudi keuchte und die Nase glühte rot. Roch er wirklich Zimt im glühenden Wein? Ihm wurde übel. Er hatte Asthma, oder wie es hieß, wenn Teer die Bläschen der Lunge verklebte? „Es ist die Sucht des Schwindens“ meinte Darth Maul und sein diabolisches Lachen hallte wieder wie viel zu schnell geratene Neutrinos beim Durchbrechen der Mauer des Lichtes.
Während der Fahrt erinnerte sich Darth Maul an seine erste Begegnung mit den Menschen. Damals sollte er den Intelligentesten unter ihnen finden und in den Outer Rim bringen. So machte er sich auf die Suche. Er wusste, wie Menschen aussehen. Schließlich verfolgte man dieses Zwischen Netz und auch dieses Tele Vision. Mit diesem Wissen brach er damals nach Springfield auf der Suche nach dem letzten Wissenschaftler des Atoms seiner Zeit auf. Die Enttäuschung hatte man ihm sicher angesehen, als er ihn nicht fand. Es gab noch nicht einmal Duff Bier auf diesem Planeten, obwohl sie es immer protegierten. So kann er dann der Not gehorchend mit diesem Schar-Ping zurück.
Darth Maul wurde jäh aus seinen Gedanken gerissen, als sie auf der Route de Ramsauer die Furt der Franken passierten und auch den Ort links liegen ließen, wo die Wiesen baden.
Vor ihrer Türe brachte Rudi den Schlitten zum Stehen. Der Rentner dampfte vor Anstrengung. „Sechs Zeilen nicht genug sind“, erscholl die dumpfe Stimme unter der roten Mütze, noch bevor sie die Türe ganz geöffnet hatte. Verdutzt blickte sie die Dunkelheit unter der Mütze. Sie schlürfte am Tee aus pfeffriger Minze mit dem Honig der Bienen. Wie auf Kommando, quasi abgesprochen, rasselte Rudi mit Lunge und Kette. Die martialische Geste verfehlte ihre Wirkung nicht. Sie verschluckte sich bald am Tee, aber lachte laut los.
Darth Maul erschauderte. Rudi war ohne Rat, quasi ratlos.
„Das ist Nötigung“, dachte Rudi.
Darth Maul erhob seine gewaltige Stimme. Hier war er der Mann, der Sith, der Held. „Mehr sie schreiben muss. Fünf nicht genug sind.“
„Ich hab‘ schon Sex.“
„Sex sie nicht haben soll. Schreiben sie soll!“
„Sechs Zeilen ich hab‘.“ Sie machte sich ein Spaß daraus, ihn zu imitieren und setzte gleich noch einen drauf: „Ich gepostet habe im Club Joy.“
Darth Maul wollte zu seinem Schwert mit doppelten Lasern greifen. Er vermisste es. Stattdessen erinnerte er sich an Rudis Rat: „Rute und Kette wirken bei Menschen.“ Er griff an seine Hose.
Diese Rhabiata fing aus lautem Halse an zu lachen. „Schließ deine Hose wieder und lass‘ die Rute drin.“
Der rotbemützte Mann packte das errötete Mützchen ein und verlagerte die Errötung ins Gesicht. Seine dortigen Hörner sprossen. Seine Wangen glühten vor Zorn. Er drehte sich rasch um und verschwand in der Dunkelheit.
„Ich schreib noch vier Zeilen“, nuschelte sie, während sie noch einen Keks zwischen die mahlenden Zähne schob.
„Dann eben nicht. Noch nicht.“ Er war sauer. „Wiederkommen ich werde! Durch den Kamin, wenn sein es muss.“
„Bruch des Friedens des Hauses“, dachte diese Rhabiata und drehte sich mit schüttelndem Kopf um.
Darth Maul stampfte auf und wendete sich ab. „Wiederkommen ich werde“ waren seine letzten Worte, bevor er zumindest teilweise unter dem alten schrottreifen VW Käfer verschwand, der gerade um die Ecke rauschte.
„Oder auch nicht“, bemerkte Rhabia kauend und schrieb noch vier Zeilen für den Weihnachtskalender.
„Ob dies reichen mag?“
Auf den Stufen zum Todesstern aufgezeichnet